Sichere Systeme, die Vorratsdatenspeicherung und AnonAustria
Nachdem diese Woche von AnonAustria die Daten von 25.000 PolizistInnen veröffentlicht wurden, sowie Zugriff auf 600.000 Versicherungsdaten bestehen soll, wird dies von den Medien und auch Einzelpersonen zum Anlass genommen, die verfassungswidrige Vorratsdatenspeicherung, die im April 2012 eingeführt werden soll, ins Visier zu nehmen.
Ich bin Datenschützerin und setze mich gegen die Vorratsdatenspeicherung ein, aber in diesem Zusammenhang finde ich es unangebracht das in direkten Zusammenhang mit diesen “Hacks” zu stellen.
(Es handelt sich bei den von AnonAustria erlangten Daten nicht um rechtswidrig erlangte Daten, die ein Produkt eines Hacks sind, sondern um Daten, a) die ihnen zugespielt wurden und b) die jeder von uns via Google finden hätte können. Deswegen würde ich unsere Medien, vor allem den ORF [den ich ja auch mittels einer Zwangsgebühr für die Berichterstattung bezahlen muss] und der einen Bildungsauftrag zu erfüllen hat, ein für alle Mal bitten, dass sie auf die Richtigkeit ihrer Berichterstattung achten! Außerdem bitte ich Matthias Euba [Zib Moderator] künftig Libyen und Anonymous richtig auszusprechen, denn mittlerweile sollte es jedem klar sein wie man diese Worte ausspricht!)
Die Vorratsdatenspeicherung mit der Erlangung dieser Daten und mangelnder Sicherheit in den EDV-Systemen der Ministerien in direkten Zusammenhang zu stellen ist grober Unfug, denn bei den CSV bzw. XLS Files, die veröffentlicht wurden, handelt es sich um Daten, die sowieso öffentlich auf den diversen österreichischen Government Websites zu finden sind. Auch handelt es sich bei einer Datei, in der Logindaten zu finden sind, lediglich um Standard-Zugangsdaten für eine Schulapplikation, die man downloaden und lokal installieren kann. Ich sehe daher absolut keinen Grund staatlichen Einrichtungen zu unterstellen, dass diese kommenden April aus technischer Sicht nicht ausreichend auf unsere Vorratsdaten achten werden.
Trotz meines Unmutes gegenüber des Staates und auch der Polizei, stehe ich in diesem konkreten Fall hinter diesen Einrichtungen, da die Vergleiche hier hinken und einfach unfair sind.
Um abschließend meinen Standpunkt zu verdeutlichen – wie wird der Ablauf höchstwahrscheinlich im Bezug auf Vorratsdaten aus technischer Sicht vereinfacht aussehen? Es gibt einen richterlichen Beschluss oder auch nicht und Daten werden bei einem Serviceprovider angefragt. Der Serviceprovider stellt die Daten zur Verfügung, entweder mittels einer Datei auf den eigenen Servern oder aber er stellt diese direkt auf einen der Server des Bundesrechenzentrums. Dort wird die Datei verarbeitet und ins eigene System eingespielt und danach vom Server gelöscht. Ab jetzt ist es nur mehr möglich auf die Vorratsdaten zuzugreifen, wenn man befugt ist die Applikation der Polizei oder die des Serviceproviders zu benutzen bzw. ein Hacker schafft es in eine der beiden Systeme einzubrechen. Und davon sind die so genannten “Hacks” von AnonAustria weit entfernt, da hier weder eine Datenbank gehackt, noch in ein System einer öffentlichen Einrichtung rechtswidrig eingebrochen wurde. Hierbei handelt es sich bei den erlangten Daten allem Anschein nach vielmehr um den Akt eines Whistleblowers, der AnonAustria die Daten direkt übergeben bzw. Informationen über die Möglichkeiten der Beschaffung weitergeleitet hat.
Erst wenn nach April 2012 Vorratsdaten auf den österreichischen Government Sites zu finden sind, erst dann besteht ein Anspruch darauf sich darüber zu echauffieren. Und ehrlich gesagt: Ich bin mir überzeugt davon, dass dies nicht so schnell oder einfach passieren wird, denn im Bundesrechenzentrum arbeiten einige Menschen, die ich persönlich kenne u.a. weil ich mit ihnen die Schule besucht habe und ich weiß, dass diese wissen was sie tun und fachlich kompetent sind! Also mittels einer simplen SQL Injection wie bei dem Datenklau der GIS wird es der aktuellen Crew von AnonAustria mit Sicherheit nicht gelingen in das Bundesrechenzentrum einzubrechen. Das traue ich anderen österreichischen Vereinen, die in der Vergangenheit bekannte U.S. Government Websites gehackt haben eher zu…
Ich habe daher keine Angst, dass meine Daten aufgrund fachlicher Inkompetenz in falsche Hände gelangen, sondern aufgrund von gezieltem Mißbrauch!
Photo: [flaivoloka]
