Wie der Kobuk Tierschützer denunziert
Update: Leider haben einige der LeserInnen nicht verstanden, das ich niemals die Intention hinter Kobuk, dem Aufdecken von Fehlern in der Medienlandschaft kritisiert habe, sondern die Tatsache, dass sie mit einem derartig populistischen Artikel das Tierleid generell in Frage stellen. Dazu muss man sich lediglich die Tweets zu dem Artikel durchlesen: geschätzte 90% der Leser denken nun tatsächlich, dass im Zuge der EM in der Ukraine keine Hunde ermordert wurden. Das kann und darf nicht Sinn und Zwecks des am Pranger stellens von Medien sein, denn so stellt sich Kobuk auf das gleiche Niveau. Von einem Medium wie Kobuk hätte ich mir erwartet, dass zumindest der einleitende Text derartig angeändert wird, damit der Leser kurz den Input bekommt, was tatsächlich in der Ukraine passiert ist. Vielen Twittermeldungen nach zu urteilen ist es sinnfrei mit manchen der Kobuk-Sympathisanten zu sprechen, da sie von ihren hohen Rössern nicht herunter steigen wollen und sich lieber über Nebensächlichkeiten lustig und zugleich lächerlich machen. Gratulation, wenn das der Nachwuchsjournalismus Österreichs sein soll. Da ist mir die Maggie Entenfellner von der Krone lieber, die bodenständig geblieben ist.
Junicks: Kobuk und die subjektive Wahrheit
Georg: Kobuk vs. Kronen Zeitung
Geschätzter Kobuk, Hans Kirchmeyr,
Gratulation! Standing Ovations! Die lapidare Einleitung des Artikels “Wenn die Ukraine Hunde tötet, stirbt bei uns die Wahrheit” (kobuk.at) und damit sichtlich unrechrechierte oder einfach nur einseitige Sichtweise über ein so wichtiges und leider viel zu selten aufgegriffenes Thema, dem Tierschutz -lässt mich einfach nur noch den Kopf schütteln. Und das noch dazu von einem Online Magazin, das sich damit rühmt für qualitativ hochwertigen Journalismus stehen zu wollen, liefert so eine Glanzleistung -gerade noch rechtzeitig im 2011er.
Nicht nur, dass Sie, Herr Kirchmeyr, die Hundemorde in der Ukraine durch Ihr einleitendes Statement quasi unter den Tisch kehren, indem Sie die armen Menschen, die in Rumänien von pöhsen Hunden gebissen wurden, erwähnen, beruft sich der gesamte Artikel lediglich auf fälschlich verwendete Photos und lenken damit gezielt von der eigentlichen Problematik ab! -Ob Sie es glauben oder nicht: Es werden in Europa Straßenhunde auf bestialische Weise hingerichtet -nicht erst seit dem publik gewordenen Hundemassaker in der Ukraine, seit Jahrzehnten! Finden Sie sich damit ab!
Ich weiß nicht wie es den Kobuk-Lesern geht, aber ich benötige keine Live-Schaltung in den Schlachthof von nebenan, um die Gewissheit zu haben, dass die Tiere dort grausam ermordert werden, damit wir unser Schnitzel sonntags auf dem Tisch liegen haben. Da reichen mir schon ein paar Beispiele zur Demonstration. Frage: Hättet ihr Klugscheisser-Pseudojournalisten damals eigentlich auch den Holocaust runtergeredet, wenn aus Versehen ein Photo aus Buchenwald anstatt Mauthausen dazu veröffentlicht worden wäre?
Nicht nur, dass Sie Tierschützer angreifen und ihnen unterstellen nicht ganz dicht zu sein -denn das tun Sie spätestens in Ihrem letzten Absatz, wo Sie auf die Polit-Inszenierung des Films Wag The Dog anspielen- nein, Sie reden das Tierleid auch noch schön! Geht’s noch? Leiden Sie unter vorweihnachtlichem Stress oder sind Sie immer so ekelhaft? Hätten Sie doch mal lieber Ihre Zeit sinnvoll investiert und sich schlau gemacht was tatsächlich in der Ukraine für schreckliches Leid passiert!
Ich finde es schrecklich und schockierend zugleich, dass Sie ein Medium, dessen einziges Steckenpferd der Tierschutz ist, auf diese Art und Weise durch den Dreck ziehen!
Vielleicht wollen Sie mir auch noch beizeiten erklären was das ukrainische Hundemassaker mit Rumänien zu tun haben soll. Aber vielleicht wurde ich auch nur nach Wag the Dog 2.0 Manier dermaßen gehirngewaschen und bin noch nicht darüber informiert, dass die EM eigentlich in Rumänien stattfinden soll.
Eve Bugs
P.S.: Zitat von eigentlich ehegal: “Merke: egal worum es geht, wenn sich die Krone auf die selbe Seite haut, dann reicht ein Foto um alles, was da passiert ist, zur Legende abzutun.”
Tatort: Ukraine, Europäische Union
Seit Anfang des Jahres werden Abertausende ukrainische Straßenhunde auf bestialische Weise ermordert. Die Vierbeiner werden oftmals bei lebendigem Leibe in fahrbare Krematorien geworfen, wo sie bei vollstem Bewusstsein den qualvollen und aussichtslosen Kampf mit dem Feuer aufnehmen müssen. Das Alles für ein paar Athleten, die selbst wie Tiere für viele Millionen unter den Fußballclubs gehandelt werden, damit sie auf einem quadratischen Stück Rasen einer runden Kugel hinterher jagen. Leider hat dieses Spiel schon lange nichts mehr mit Spielgeist und Fairness zu tun, vielmehr ist es zu einer einzigen korrupten Geldmaschinerie mutiert, die offiziell unter der Marke UEFA agiert.
Anfang des letzten Monats wurde im deutschen Fernsehsender ARD ein Bericht über die gegenwärtigen Hundemorde in der Ukraine ausgestrahlt. Ab dann gingen die grausamen Bilder um die Welt und sofort hat man sich mit den hilflosen Tieren solidarisch gezeigt. Es wurden Tierschutzorganisationen und BloggerInnen aktiv, Videoaktionen gestartet, Facebookgruppen gegründet oder Demonstrationen organisiert.
Viele TierschützerInnen -auch ich- gehen sogar so weit und fordern zum Boykott der Europameisterschaft auf. Das gefällt der ukrainischen Regierung und den Sponsoren natürlich gar nicht, denn hier steht sehr viel Geld auf dem Spiel. So viel Geld wie sich Ottonormalverbraucher gar nicht erst vorstellen kann. Tauchen wir also kurz in diese unvorstellbaren Dimensionen an Geldmassen ein und verinnerlichen uns, dass die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF 120 Millionen Euro für eine Live-Übertragungslizenz gezahlt haben sollen.
Wie viel also ein offizieller Sponsor wie Coca Cola, Adidas oder Canon –um nur einige zu nennen– hinblättert, um auf den Werbetafeln der Spiele zu erscheinen, kann man nur vermuten. Jetzt aber erleiden diese Sponsoren einen massiven Imageverlust, dessen Ausmaß sich noch nicht annähernd erahnen lässt und natürlich versuchen auch diese sich zu wehren.
Adidas soll kritische Facebookkommentare auf der eigenen Fanseite löschen und Coca Cola versucht sich mit nachfolgender Stellungnahme aus der Verantwortung zu ziehen:
„Wir sind einer der Sponsoren der Fußball-Europameisterschaft 2012, aber wir sind keine politische Organisation und nehmen nicht Stellung gegenüber Regierungsbehörden zu Themen, die außerhalb der Getränkeindustrie angesiedelt sind.“
Dabei gibt es jedoch einen schweren Denkfehler: Wir sind die Kunden und nur durch unser Geld können diese Unternehmen überhaupt erst die EURO2012 finanzieren. Auf alle Fälle werden wir noch früh genug sehen, ob und wie sich die politische Einstellung dieser multimilliardenschweren Konzerne ändern wird, wenn sie bemerken, dass viele Kunden nicht mehr bei ihnen kaufen werden. Grundsätzlich sollten alle Unternehmen aufgrund politischer Fehlentscheidungen von Firmen wie BP oder Kleiderbauer im vergangenen Jahr schlauer geworden sein. Packen wir sie also dort wo es am meisten weh tut, dem Geldtascherl!
Denn wir leben in einer freien Markt- und in keiner kommunistischen Planwirtschaft und dürfen schlussendlich selbst entscheiden, ob wir bei Esso oder BP tanken, bei S. Oliver oder Kleiderbauer einkaufen oder aber eben anstatt von Coca Cola zu Black Jack greifen, von der Canon Kamera zur Nikon wechseln und in Zukunft unsere Sneakers nicht mehr von Adidas, sondern bei Puma kaufen.
Wie aber geht im Gegenzug die ukrainische Regierung mit den Forderungen der TierschützerInnen um? Einerseits liest man von der Tierschützerin Maggie Entenfellner, dass sich österreichische Politiker wie Außenminister Spindelegger künftig mehr in den ukrainischen Tierschutz einbringen möchten oder aber auch von positiven Gesprächen mit dem ukrainischen Botschafter Andrii Bereznyi, andererseits hingegen wurde auf der Facebookseite BOYKOTT HUNDE MASSAKER EM 2012 ein Antwortschreiben von Serhiy Borodenko, dem Leiter der Pressestelle des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten in der Ukraine veröffentlicht, das ganz andere Töne gegenüber einer Tierschützerin auffährt, die um ein Visum ansuchte, um vor Ort den Tierschutzorganisationen unter die Arme greifen zu können. In diesem Schreiben untersagt man ihr die Einreise in die Ukraine und droht gleichzeitig eine für Sie empfindliche Strafe an, sollte sie sich widersetzen und trotz des Verbots einreisen. Außerdem habe Sie durch ihre Aktionen -dem Aufruf zum Boykott der EURO2012- die Würde es Landes verletzt. Es wird mehrfach darauf hingewiesen, dass auch keine streunenden Hunde oder Katzen aus dem Land gebracht werden dürfen. Des Weiteren verstünde die Ukraine die ganze Aufregung -um die Hundemorde- nicht und drohen gleichzeitig an gegen die Tierschützerin vorzugehen, wenn sie ihre Aktivitäten nicht unterlässt. Die Abschiedsgrußformel lautet „Mit der Ihnen würdigen Achtung“.
Allem Anschein nach sind sich die ukrainischen Botschafter in Österreich und die Regierungsmitlglieder direkt vor Ort nicht einig, wie sie ab sofort mit dem Thema Tierschutz umgehen wollen. Dieses Schreiben gleicht einem Drohbrief, an dessen Ende man nicht den vollen Namen eines Regierungsmitgliedes eines Landes der Europäischen Union vermuten würde, sondern ausgeschnittene Buchstaben einer Tageszeitung.
Ich möchte den Sachverhalt, dass in einem offensichtlich nicht nur infrastrukturell unterentwickelten EU-Land, das 25.000 Tiere einfach mal so vernichtet und die freie Meinungsäußerung derartig unerwünscht ist, nicht erst weiter dokumentieren, sondern das Thema rund um den Hundemord ein wenig beleuchten:
In vielen Ländern werden Hunde, anders als in unseren Breitengraden, nicht als voll integrierte Familienmitglieder gehalten, sondern vielmehr werden sie schon auf der Straße geboren und leben dort als sogenannte Straßenhunde, die sich selbst versorgen müssen. Das wiederrum hat zur Folge, dass sie sich willkürlich vermehren -da Kastrationen zu teuer wären (das behauptet zumindest die Politik)- und dies von vielen Menschen nicht gerne gesehen wird, obwohl sie im Großen und Ganzen sehr menschenfreundlich und umgänglich sind. Dennoch liegt es in der Hand des jeweiligen Bürgermeisters wie mit den unerwünschten Hunden umgegangen wird. Meistens werden die Hunde von den örtlichen Behörden eingefangen und in den staatlichen Tierheimen untergebracht, platzt dieses dann aus allen Nähten, weil zu wenige Hunde adoptiert werden oder weil man sie erst gar nicht zur Adoption freigibt, schläfert man sie ein, schlachtet sie ab oder aber vernichtet sie massenweise in eigenen Hunde-Gaskammern. Richtig gehört! –Neben den fahrbaren Krematorien gibt es auch die Hunde-Gaskammern. Hersteller solcher Firmen scheuen keine noch so unwürdige Marketingmaßnahme und präsentieren diese Maschinen mit Photos während der Anwendung, um den Ofen an den Hund zu bringen.
In den letzten Tagen wurde oft davon gesprochen, dass die Regierung ein Kopfgeld von 25 Euro bis 40 Euro pro Hund ausgesetzt haben soll, tod oder lebendig. Auch die Tierschutzorganisation Peta Deutschland spricht in ihrer Reportage davon, aber leider wird nie erklärt auf welcher Grundlage diese Aussage beruht. Nach etlicher Recherche und Übersetzungen von polnischen Artikeln, vermute ich, dass hier etwas mißverstanden wurde. Von staatlichen Tierverbrennungsanlagen werden für einen Kilo Hund in etwa 50 Cent ausgezahlt, das würde cirka zehn Euro für einen Durchschnitshund mit zwanzig Kilo Körpergewicht ausmachen und wäre genau die Summe, die der Hundefänger von der Straße für seine Greueltat erhält. Um wie viel schlussendlich hier wieder ein Kilo Tiermehl weiterverkauft wird, kann ich nicht sagen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass vergiftetes Tiermehl aus der Ukraine wie Gold gehandelt wird. Bei 25.000 Hunden, die durchschnittlich zwanzig Kilo wiegen erhält man 500 Tonnen Hund, somit haben die ukrainischen Hundefänger 250.000 Euro eingenommen und es wurden 500 Tonnen Tiermehl hergestellt, die wohl auch grenzüberschreitend weiterverkauft und nicht nur im Land verweilen werden.
Spätestens jetzt sollte allen Menschen, selbst wenn sie keine Tierschützer sind, eine weitere Problematik klar geworden sein! Ich wünsche euch auf jeden Fall schon jetzt einen guten Appetit, wenn ihr die Weihnachtsgans, gefüttert mit rattenverseuchtem Tiermehl, verspeist!
Abschließend hoffe ich, dass man aus dieser Misere lernen wird, das Bewusstsein für den richtigen Umgang mit Tieren geschärft wurde und diese künftig nicht mehr sinnfrei abgeschlachtet, sondern Maßnahmen getroffen werden, die auf lange Sicht das Problem selbst regulieren: Die Kastration von Straßenhunden!
Quellen (ausschließlich des Mailverkehrs mit ukrainischen Tierschützern)
- ARD Bericht auf Youtube
- Russia Today auf Youtube
- Vergiftete Hunde auf den Straßen der Ukraine und hier noch eines
- Demo in Berlin gegen das Hundemassaker
- Krone Tierecke auf Facebook
- Schreiben des ukrainischen Ministeriums auf Facebook
- PETA Doku auf Youtube (die selbst vor Ort waren)
- Maja Prinzessin von Hohenzollern (die selbst vor Ort war)
- Bericht & Video aus der Ukraine (auf polnisch) -Wohl einer der aufschlussreichsten Berichte zu diesem Thema! Leider kann ich kein polnisch. Einige Infos aus diesem Artikel stammen aus diesem Bericht. Ein paar Teile haben mir ein paar nette Menschen übersetzt. Wenn ich Zeit finde, werde ich das Video subtiteln.
- Promis zum Hundemassaker
- Mail eines Ukrainer zu den Vorfällen (habe noch keine Antwort erhalten, ob er damit einverstanden ist, dass ich es veröffentliche)
- Tierschutzseite von Facebook behindert: Einmischung durch Sponsoren?
- Liste der Kontaktadressen zur UEFA, Sponsoren, Konsulaten & Co
Und jetzt viel Spaß beim Shitstormen, ich halte mich raus. (-:
